
Klappentext:
Zweimal Will, zweimal Liebe: Zwei Siebzehnjährige namens Will Grayson, deren Leben sich seit Längerem im Kreis dreht, treffen in einer kalten Nacht in Chicago durch Zufall aufeinander. Und plötzlich gerät alles in Bewegung...
Zwei der renommiertesten Jugendbuchautoren vereint in einem großartigen gemeinsamen Projekt: Der New York Times-Bestseller, der in die Top Ten der romantischsten Bücher des Jahres kam!
"Ein Roman, der die Leser lachen, weinen und aus vollem Halse singen machen wird - und das gleichzeitig!" Kirkus Review
Erster Satz:
Als ich klein war, hat mein Vater immer zu mir gesagt: „Will, du kannst dir deine Freunde aussuchen und du kannst dir in der Nase bohren, aber in den Nasen deiner Freunde hat dein Finger nichts zu suchen.“

Eye-Candy:
Als Cover gibt es so viele bessere Allternativen, als dieses hier! Wir sehen weiße Chucks (von denen nie die Rede ist, nur um es mal zu sagen), irgendjemand balanciert auf einem Hochseil, im Hintergrund haben wir den Himmel.
Total metaphorisch! Boah, so tiefsinnig, da beide Jungs Probleme haben und ihr Leben ein Balanceakt ist!, möchten die Verleger, dass wir sagen oder denken. Stattdessen runzele ich nur die Stirn und seufzte entnervt, genau so wie ich auch über den Klappentext seufzen musste, nachdem ich das Buch gelesen habe. Dazu später mehr.
Mir gefällt die englische Taschenbuchausgabe viel mehr. Hier weißt man dezent darauf, dass beide Wills verschieden sind und irgendwie auch gleich. Was gibt es besseres, als den Fingerabdruck, um die Individualität zu zeigen?
Beim englischen Hardcover sehen wir die Lichter einer Bühne. Huch, was hat es denn damit auf sich?, fragt man sich. Der beste (und schwule) Freund des hetero Wills plant ein Musical, was zur Nebenhandlung gehört. Stellt sich die Frage, warum man ein Verweis auf die Nebenhandlung auf dem Buchcover haben muss...
Inhalt:
Es ist knifflig den Inhalt des Buches wiederzugeben, ohne einen Teil der Handlung zu spoilern. Dennoch werde ich es versuchen.
Wie der Titel anmuten lässt geht es um zwei verschiedene Will Graysons, die vom Schicksal zusammengeführt werden. Der eine ist schwul und der andere ist hetero. Beide haben prägnannte Probleme, die anders sind als die Probleme "normaler" Jugendlichen.
Als beide in einem Prono/Sexshop aufeinander treffen, ändert sich ihr Leben.
Meine Meinung:
Zuerst: Vertraut nicht dem Klappentext.
In diesem Buch geht es nicht voranging um die Liebe und das Buch ist alles andere als romantisch.
Es ist süß und knuffig und niedlich und witzig. Aber romantisch ist es nicht.
Das Buch wird jeweils von der Ich-Perspektive des hetero Will Graysons und der des homosexuellen Will Graysons erzählt. Dass die beiden sich pro Kapitel abwechseln erkennt man an der Rechtschreibung (unter anderem). Der schwule Will G. benutzt nämlich keine Großschreibung, er schreibt alles klein. Ja, auch nach einem Punkt schreibt er klein, was mich regelrecht in den Wahnsinn getrieben hat.
Toll ist es, dass beide Will wirklich verschieden sind. Man hat nicht das Gefühl einen Abklatsch des anderen Will G.s vor sich zu haben.
Beide Jungs sind sehr witzig, aber da ich bereits Bücher von John Green und David Levithan kenne, wusste ich, dass ihre Charaktere sicher unterhaltsam sein würden.
Der schwule Will ist minimal interessanter, da er tiefgehende psychologische Probleme hat. Es hat Spaß gemacht ihn dabei zu beobachten, wie er mit seinen Ängsten kämpft und sich ihnen stellt. Seine innere Entwicklung ist enorm gegen Ende des Buches. Jedoch ist er einer der Charaktere, die immer einen Schubs brauchen, damit sie in die Gänge kommen. An einigen Stellen, hat er so lange einen inneren Monolog geführt, bis der Schubs in Form eines Nebencharakters endlich kam. Dadurch hat das Buch einige Längen, doch werden diese Längen gebraucht, damit der Charakter sich entwickeln kann. Eine durchaus paradoxe Situation. Es lohnt sich nicht vorschnell aufzugeben und dranzubleiben. Manche Leser haben es eh lieber, wenn etwas mehr erklärt und gezeigt wird (ich gehöre nicht dazu).
Der hetero Will hat auch Probleme, doch sind seine Probleme nicht komplett nachvollziehbar. Er kommt aus einer guten Familie, hat Freunde, hat gute Noten und dennoch stellt er sich teilweise echt dumm an. Dieser Will steht sich selber im Weg und bis er das kappiert hat und sich endlich weiterentwickelt, habe ich schier einen Nervenzusammenbruch erlitten. Doch da John Greens Charaktere immer sehr lustig sind, macht es einem weniger etwas aus, wenn sie sich dümmlich anstellen.
Schade finde ich, dass dieser Will nach etwa der Hälfte des Buches immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Dabei wird ein Nebencharakter immer mehr zum Mittelpunkt...
... dieser Nebencharater ist Tiny, der schwule beste Freund des hetero Wills. Ich mochte Tiny, mit seinen Sprüchen lockert er brenzlige Situationen schnell auf, hilft den Wills, wenn sie einen (oder mehrere) Schubser brauchen. Er ist der Fixpunkt im Leben beider Jungen und an sich ist es ok, dass er eine so große Rolle im Buch inne hat. Jedoch sollte das Buch dann nicht Will & Will (oder Will Grayson, Will Grayson) heißen, sondern Will & Will UND Tiny.
Was das Love Interesst angeht, bin ich maßlos enttäuscht. Wahrscheinlich weil ich weiß, dass beide Autoren mich aus den Socken hauen können (siehe "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und "Nick und Norah"). Aber in diesem Buch, war keine der beiden Liebesgeschichten gut umgesetzt. Ich mag zwar die Charaktere, aber der Funken zwischen den Charakteren ist nicht auf mich übergesprungen.
Enttäuschend ist auch die Relation in der beide Wills zueinander stehen. Beide treffen ungefähr nach 100 Seiten aufeinander und dieses Aufeinandertreffen ist so witzig! Dann gehen sie wieder beide ihrer Wege und was passiert dann? Sie leben einfach ihr eigenes Leben weiter!
Es heißt doch, dass das Leben der beiden sich gegenseitig verändert und bla bla bla. Aber das tut es nicht. Erst gegen Ende treffen sie wieder aufeinander und das nur ganz kurz. Die entscheidende Verbindung zwischen dem einen Will und dem anderen Will ist nicht existent! Es gibt hier so tolle Ansätze! Es ist eine Schande, dass man sie nicht nutzt.
Das Ende lässt mich hin- und hergerissen zurück. Es versucht tiefsinnig zu sein, dabei bräuchte es das gar nicht, da die Message der Geschichte tiefsinnig genug ist. Das Ende ist gut, es hat mir gefallen, es hat die wichtigsten Fragen beantwortet und ist kein komplett abgeschlossenes Ende.
ABER es hinterlässt kein "Mind-Fuck"-Gefühl wie Looking for Alaska.
Es hinterlässt kein "Was-soll-ich-nun-mit-meinem-Leben-anfangen?"-Gefühl wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter.
Und es hinterlässt auch kein "Boah-wie-süß-ich-möchte-das-auch"-Gefühl wie Nick und Norah.
Ich weiß schon, das ist ein eigenständiges Buch. Dennoch fehlt ihm das entscheidende "John Green" / "David Levithan" Feeling. Und wenn man das Buch mit den Büchern vergleicht, die man so abgöttisch liebt, dann stinkt es beinahe schon ab.
In der Kürze liegt die Würze:
Tolle flüssige Schreibweise, obwohl bei Levithan mir die Schreibweise bis zum Ende zu schaffen gemacht hat. Das Buch lebt von den bunten Charakteren und dem Witz der Dialoge, aber nicht von der Spannung. Wer Spannung erwartet ist hier falsch. Einige kitschige Szenen und Längen gibt es durchaus, die sind jedoch noch unter der Schmerzgrenze.
Bewertung:
Ich hasse mich, wenn ich sage, dass meine Erwartungen zu hoch waren. Doch das waren sie. Ich dachte mich erwartet eine Art Molotow Coctail der literarischen Hochgenüsse, da zwei meiner absoluten Lieblingsautoren gemeinsam ein Buch geschrieben haben. Dem war leider nicht so.
Ich habe durch das ganze Buch hindurch gelacht, ich hatte Spaß, doch das Entscheidende hat gefehlt. Meine Bewertung liest sich schlechter als sie eigentlich ist. Schließlich habe ich das Buch an einem Stück durchgelesen, obwohl es mich nicht 100%ig überzeugen konnte... Daher "nur" ♥ ♥ ♥ ♥ Herzchen.
Autoren:
Corine-Preisträger John Green schrieb die preisgekrönten Bestseller
»Eine wie Alaska« und »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«. David
Levithan ist der Autor des Bestsellers »Nick & Norah«, der für den
Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. »Will & Will«, der
erste gemeinsame Roman der beiden, stand auf der New York Times-Bestsellerliste und wurde unter die Top Ten der romantischsten Bücher des Jahres gewählt. (Quelle)
David Levithan wurde NICHT in Frankreich oder Milwaukee geboren, hat
weder in Harvard noch in Oxford studiert, und er lebt auch nicht in
Manhattan, sondern auf der anderen Seite des Hudson River, in New
Jersey. Gemeinsam mit Rachel Cohn hat er u.a. "Nick & Norah -
Soundtrack einer Nacht" und "Naomi & Ely - Die Freundschaft, die
Liebe und alles dazwischen"geschrieben. Sein preisgekrönter Roman "Noahs
Kuss... und plötzlich ist alles anders" hat in den USA mittlerweile
Kultstatus.(Quelle)
![]() |
| © Tom Koene/Agentur Weniger |
Titel: Will & Will
Originaltitel: Will Grayson, Will Grayson
AutorIn: John Green und David Levithan
Genre: YA Contemporary
Verlag: cbt ISBN: 978-3-570-16103-6
Gebunden: mit Schutzumschlag, 384 Seiten
Weitere Informationen und Leseprobe bekommt ihr hier❣




















