Dienstag, 11. März 2014

[Buchrezension] Will & Will von John Green und David Levithan

 

Klappentext:
Zweimal Will, zweimal Liebe: Zwei Siebzehnjährige namens Will Grayson, deren Leben sich seit Längerem im Kreis dreht, treffen in einer kalten Nacht in Chicago durch Zufall aufeinander. Und plötzlich gerät alles in Bewegung... 
Zwei der renommiertesten Jugendbuchautoren vereint in einem großartigen gemeinsamen Projekt: Der New York Times-Bestseller, der in die Top Ten der romantischsten Bücher des Jahres kam! 
"Ein Roman, der die Leser lachen, weinen und aus vollem Halse singen machen wird - und das gleichzeitig!" Kirkus Review

Erster Satz:
Als ich klein war, hat mein Vater immer zu mir gesagt: „Will, du kannst dir deine Freunde aussuchen und du kannst dir in der Nase bohren, aber in den Nasen deiner Freunde hat dein Finger nichts zu suchen.“


Eye-Candy: 
Als Cover gibt es so viele bessere Allternativen, als dieses hier! Wir sehen weiße Chucks (von denen nie die Rede ist, nur um es mal zu sagen), irgendjemand balanciert auf einem Hochseil, im Hintergrund haben wir den Himmel. 
Total metaphorisch! Boah, so tiefsinnig, da beide Jungs Probleme haben und ihr Leben ein Balanceakt ist!, möchten die Verleger, dass wir sagen oder denken. Stattdessen runzele ich nur die Stirn und seufzte entnervt, genau so wie ich auch über den Klappentext seufzen musste, nachdem ich das Buch gelesen habe. Dazu später mehr.
Mir gefällt die englische Taschenbuchausgabe viel mehr. Hier weißt man dezent darauf, dass beide Wills verschieden sind und irgendwie auch gleich. Was gibt es besseres, als den Fingerabdruck, um die Individualität zu zeigen? 
Beim englischen Hardcover sehen wir die Lichter einer Bühne. Huch, was hat es denn damit auf sich?, fragt man sich. Der beste (und schwule) Freund des hetero Wills plant ein Musical, was zur Nebenhandlung gehört. Stellt sich die Frage, warum man ein Verweis auf die Nebenhandlung auf dem Buchcover haben muss...

Inhalt: 
Es ist knifflig den Inhalt des Buches wiederzugeben, ohne einen Teil der Handlung zu spoilern. Dennoch werde ich es versuchen. 
Wie der Titel anmuten lässt geht es um zwei verschiedene Will Graysons, die vom Schicksal zusammengeführt werden. Der eine ist schwul und der andere ist hetero. Beide haben prägnannte Probleme, die anders sind als die Probleme "normaler" Jugendlichen. 
Als beide in einem Prono/Sexshop aufeinander treffen, ändert sich ihr Leben. 

Meine Meinung:
Zuerst: Vertraut nicht dem Klappentext.  
In diesem Buch geht es nicht voranging um die Liebe und das Buch ist alles andere als romantisch.
Es ist süß und knuffig und niedlich und witzig. Aber romantisch ist es nicht. 

Das Buch wird jeweils von der Ich-Perspektive des hetero Will Graysons und der des homosexuellen Will Graysons erzählt. Dass die beiden sich pro Kapitel abwechseln erkennt man an der Rechtschreibung (unter anderem). Der schwule Will G. benutzt nämlich keine Großschreibung, er schreibt alles klein. Ja, auch nach einem Punkt schreibt er klein, was mich regelrecht in den Wahnsinn getrieben hat.

Toll ist es, dass beide Will wirklich verschieden sind. Man hat nicht das Gefühl einen Abklatsch des anderen Will G.s vor sich zu haben. 
Beide Jungs sind sehr witzig, aber da ich bereits Bücher von John Green und David Levithan kenne, wusste ich, dass ihre Charaktere sicher unterhaltsam sein würden. 

Der schwule Will ist minimal interessanter, da er tiefgehende psychologische Probleme hat. Es hat Spaß gemacht ihn dabei zu beobachten, wie er mit seinen Ängsten kämpft und sich ihnen stellt. Seine innere Entwicklung ist enorm gegen Ende des Buches. Jedoch ist er einer der Charaktere, die immer einen Schubs brauchen, damit sie in die Gänge kommen. An einigen Stellen, hat er so lange einen inneren Monolog geführt, bis der Schubs in Form eines Nebencharakters endlich kam. Dadurch hat das Buch einige Längen, doch werden diese Längen gebraucht, damit der Charakter sich entwickeln kann. 
Eine durchaus paradoxe Situation. Es lohnt sich nicht vorschnell aufzugeben und dranzubleiben. Manche Leser haben es eh lieber, wenn etwas mehr erklärt und gezeigt wird (ich gehöre nicht dazu).

Der hetero Will hat auch Probleme, doch sind seine Probleme nicht komplett nachvollziehbar. Er kommt aus einer guten Familie, hat Freunde, hat gute Noten und dennoch stellt er sich teilweise echt dumm an. Dieser Will steht sich selber im Weg und bis er das kappiert hat und sich endlich weiterentwickelt, habe ich schier einen Nervenzusammenbruch erlitten. Doch da John Greens Charaktere immer sehr lustig sind, macht es einem weniger etwas aus, wenn sie sich dümmlich anstellen. 
Schade finde ich, dass dieser Will nach etwa der Hälfte des Buches immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Dabei wird ein Nebencharakter immer mehr zum Mittelpunkt...

... dieser Nebencharater ist Tiny, der schwule beste Freund des hetero Wills. Ich mochte Tiny, mit seinen Sprüchen lockert er brenzlige Situationen schnell auf, hilft den Wills, wenn sie einen (oder mehrere) Schubser brauchen. Er ist der Fixpunkt im Leben beider Jungen und an sich ist es ok, dass er eine so große Rolle im Buch inne hat. Jedoch sollte das Buch dann nicht Will & Will (oder Will Grayson, Will Grayson) heißen, sondern Will & Will UND Tiny.

Was das Love Interesst angeht, bin ich maßlos enttäuscht. Wahrscheinlich weil ich weiß, dass beide Autoren mich aus den Socken hauen können (siehe "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" und "Nick und Norah"). Aber in diesem Buch, war keine der beiden Liebesgeschichten gut umgesetzt. Ich mag zwar die Charaktere, aber der Funken zwischen den Charakteren ist nicht auf mich übergesprungen. 

Enttäuschend ist auch die Relation in der beide Wills zueinander stehen. Beide treffen ungefähr nach 100 Seiten aufeinander und dieses Aufeinandertreffen ist so witzig! Dann gehen sie wieder beide ihrer Wege und was passiert dann? Sie leben einfach ihr eigenes Leben weiter! 
Es heißt doch, dass das Leben der beiden sich gegenseitig verändert und bla bla bla. Aber das tut es nicht. Erst gegen Ende treffen sie wieder aufeinander und das nur ganz kurz. Die entscheidende Verbindung zwischen dem einen Will und dem anderen Will ist nicht existent! Es gibt hier so tolle Ansätze! Es ist eine Schande, dass man sie nicht nutzt.

Das Ende lässt mich hin- und hergerissen zurück. Es versucht tiefsinnig zu sein, dabei bräuchte es das gar nicht, da die Message der Geschichte tiefsinnig genug ist. Das Ende ist gut, es hat mir gefallen, es hat die wichtigsten Fragen beantwortet und ist kein komplett abgeschlossenes Ende. 
ABER es hinterlässt kein "Mind-Fuck"-Gefühl wie Looking for Alaska.
Es hinterlässt kein "Was-soll-ich-nun-mit-meinem-Leben-anfangen?"-Gefühl wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter. 
Und es hinterlässt auch kein "Boah-wie-süß-ich-möchte-das-auch"-Gefühl wie Nick und Norah
Ich weiß schon, das ist ein eigenständiges Buch. Dennoch fehlt ihm das entscheidende "John Green" / "David Levithan" Feeling. Und wenn man das Buch mit den Büchern vergleicht, die man so abgöttisch liebt, dann stinkt es beinahe schon ab.

In der Kürze liegt die Würze: 
Tolle flüssige Schreibweise, obwohl bei Levithan mir die Schreibweise bis zum Ende zu schaffen gemacht hat. Das Buch lebt von den bunten Charakteren und dem Witz der Dialoge, aber nicht von der Spannung. Wer Spannung erwartet ist hier falsch. Einige kitschige Szenen und Längen gibt es durchaus, die sind jedoch noch unter der Schmerzgrenze.

Bewertung:  
Ich hasse mich, wenn ich sage, dass meine Erwartungen zu hoch waren. Doch das waren sie. Ich dachte mich erwartet eine Art Molotow Coctail der literarischen Hochgenüsse, da zwei meiner absoluten Lieblingsautoren gemeinsam ein Buch geschrieben haben. Dem war leider nicht so.
Ich habe durch das ganze Buch hindurch gelacht, ich hatte Spaß, doch das Entscheidende hat gefehlt. Meine Bewertung liest sich schlechter als sie eigentlich ist. Schließlich habe ich das Buch an einem Stück durchgelesen, obwohl es mich nicht 100%ig überzeugen konnte... Daher "nur" ♥ ♥ ♥ ♥ Herzchen.

Autoren: 
Corine-Preisträger John Green schrieb die preisgekrönten Bestseller »Eine wie Alaska« und »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«. David Levithan ist der Autor des Bestsellers »Nick & Norah«, der für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde. »Will & Will«, der erste gemeinsame Roman der beiden, stand auf der New York Times-Bestsellerliste und wurde unter die Top Ten der romantischsten Bücher des Jahres gewählt. (Quelle
David Levithan wurde NICHT in Frankreich oder Milwaukee geboren, hat weder in Harvard noch in Oxford studiert, und er lebt auch nicht in Manhattan, sondern auf der anderen Seite des Hudson River, in New Jersey. Gemeinsam mit Rachel Cohn hat er u.a. "Nick & Norah - Soundtrack einer Nacht" und "Naomi & Ely - Die Freundschaft, die Liebe und alles dazwischen"geschrieben. Sein preisgekrönter Roman "Noahs Kuss... und plötzlich ist alles anders" hat in den USA mittlerweile Kultstatus.(Quelle)
© Tom Koene/Agentur Weniger
Titel: Will & Will
Originaltitel: Will Grayson, Will Grayson
AutorIn: John Green und David Levithan
Genre: YA Contemporary
Verlag: cbt 
ISBN: 978-3-570-16103-6
Gebunden: mit Schutzumschlag, 384 Seiten

Weitere Informationen und Leseprobe bekommt ihr hier

14 Liebe Worte:

  1. Tolle rezi ♥ ich wollte das Buch eigentlich auch unbedingt lesen aber inzwischen hab ich mehrere nicht so tolle Rezis darüber gelesen und jetzt bin ich mir ein wenig unsicher.
    Liebe Grüße
    Nasti ♥

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    1. Danke, das ist sehr lieb ♥
      Wenn du John Green und David Levithan magst, dann wirst du sicher Spaß mit dem Buch haben :)

      Liebe Grüße

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  2. Wie immer, eine sehr schöne Rezension & und ich bin mir sicher, wenn ich mich irgendwann dazu aufraffen kann dieses Buch zu lesen, dann werde ich vermutlich in Gedanken deine Rezension vor Augen haben und einige Punkte abhaken können, in denen es mir genauso geht :D
    Ich habe irgendwie ein bisschen Angst dieses Buch zur Hand zu nehmen, da "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" für mich das non-plus-ultra ist und ich auch von "Eine wie Alaska" und "Die erst Liebe nach 19 vergeblichen Versuchen" nicht so hin und weg war wie ich es gerne wäre, obwohl ich John Green, so alles in allem, als Autor wirklich vergöttere...allein deswegen würde ich das Buch eigentlich lesen, nur...David Levithan...das ist so eine Sache: Ich habe zum einen "Nick & Norah" gelesen und ich fand es wirklich grauenhaft, keine Ahnung wieso, aber das war eines dieser Bücher, wo ich die Verfilmung dutzende Male besser fand. Und dann habe ich "Dash & Lilys Winterwunder" gelesen, was mich so sehr positiv überrascht hat, dass ich überlege noch einmal "Nick & Norah" zu lesen, weil ich das Gefühl habe, dass das irgendwas nicht stimmen kann...
    So, puh, sorry, ich halte hier schon wieder einen ewig langen Monolog ab :D Irgendwie kann ich nicht anders ;D

    Liebe Grüße,
    Kaddel

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    1. Nein, Kaddel! Tu mir das nicht an! Wie konntest du nicht "Eine wie Alaska" lieben? ;)
      Ich habe es gelesen, war geschockt und habe es erneut gelesen. Ich liebe es einfach. "Nick & Norah" war auch witzig und cool, aber nicht ganz SO toll. Schon oft habe ich gehört, dass das Buch bei den Lesern nicht so gut angekommen ist und alle sagen immer, dass sie nicht genau wissen, warum sie es nicht mögen. Sehr interessant!
      Für einen John Green Fan ist das Buch ein MUSS, also ran an den Speck ;)
      Mich würde brennend interessieren, wie du es finden wirst, da du genau so sehr "TFIS" liebst, wie ich :)

      Lass alles raus, sage ich nur zu deinem Monolog. Schreib dir alles aus der Seele, ich verstehe dich :D

      Liebe Grüße
      Carly

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    2. Ich muss zugeben - Schande über mein Haupt - dass ich "Eine wie Alaska" noch nie zu Ende gelesen habe. Zwei Mal habe ich es angefangen und zwei Mal bin ich nur bis zu dem Punkt gekommen wo Alaska stirbt. Ich weiß nicht, warum ich es danach weggelegt habe, keinen Plan...aber vielleicht lesen wir dieses Buch dieses Jahr noch im Englisch-Unterricht (Mein Gott, wie geil wäre das denn, im Unterricht John Green lesen zu müssen?! :D) und wenn nicht, dann lese ich es auf jeden Fall irgendwann nochmal in den Sommerferien...hoffe ich :D

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    3. Das wäre mega-geil! John Green im Unterricht ... Ein Traum *-*

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  3. Aaahhh John Green und David Levithan in einem Buch!!! Das ist jetzt der Tropfen, der meine Wunschliste zum Überlaufen bringt - ähem, ich meine natürlich Danke für die tolle Rezension! :D

    Liebe Grüße :-)

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    1. Haha ich weiß ganz genau, was du du meinst! Schnell den Waschlappen holen, bevor alles überflutet wird! :D

      Liebe Grüße ;)

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  4. Tolle Rezi :)
    Leider leider habe habe ich das Buch noch nicht gelesen --- Warum eigentlich? xD
    Liebe Grüße
    Janine

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    1. Vielen Dank, du Liebe ♥
      Gute Frage, da besteht dann absolut Nachholbedarf! Ich hatte wirklich viel Spaß damit :)

      Liebe Grüße
      Carly

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  5. Hey!
    Super Rezension! Das Buch subbt noch und ich muss gestehen, dass ich noch kein einziges Buch von John Green gelesen hab :D vielleicht sind meine Erwartungen deshalb nicht groß an Will &Will :) Werde es auf jeden Fall demnächst mal in Angriff nehmen :D
    Ganz liebe Grüße,
    Ebru

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    1. Hallo :)
      Vielen Dank!
      Das musst du unbedingt nachholen! Am besten du liest "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", das Buch ist so unglaublich gut :)

      Ganz liebe Grüße zurück
      Carly

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  6. Wenn das Buch von John Green ist, kann es nur gut sein! Liebst, Emme ♥

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    1. Haha stimmt! :D Seine Bücher sind immer der absolute HAMMER!

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