Dienstag, 4. März 2014

[Special] Othello von William Shakespeare


Vorbemerkung (könnt ihr auch gerne überfliegen ;) :
Ich habe gestern Abend angefangen Othello zu lesen, weil ich langsam mal ein Ergebnis bezüglich der Rory-Gilmore-Reading-Challenge erreichen wollte. Und da ich ein kleiner Shakespeare Fan bin, seit ich die Verfilmung von Romeo und Julia mit Leonardo DiCaprio gesehen habe (da war ich 10), dachte ich, dass dieses Stück ein guter Start wäre. Als kostenloses e-Book habe ich zwar Othello auch auf deutsch gefunden, aber meine Güte, die Übersetzung ist GROTTENSCHLECHT. Also habe ich schnell zur englischen Version gewechselt. Ich weiß nicht ob es an meinen Englischkenntnissen liegt (was eigentlich nicht sein kann, da ich ziemlich gut in englisch bin) oder an der altertümlichen Sprache Shakespears, jedoch hat es eine Weile gedauert, bis ich in der Handlung war.
Als ich dann in der Handlung war, gab es kein Zurück mehr. Ich wurde mitgerissen, geschockt, belehrt und unterhaltet!
Aber jetzt geht es zur eigentlichen "Rezension", obwohl das keine wirkliche Rezension sein wird. Denn solche Meisterwerke kann man nur schlecht rezensieren ...

Achtung, es wird gespoilert!

Inhalt:
In diesem Stück geht es um den Feldherren Othello, der dunkelhäutig ist und in Venedig lebt. Ohne das Wissen ihres Vaters hat die begehrte Desdemona Othello geheiratet, beide sind trotz der vielen gesellschaftlichen Vorurteile sehr glücklich und verliebt. Jago, im Orginal Iago, ist auf Othello sauer und sinnt auf Rache, da Othello nicht Iago sondern Cassio befördert hat. Um seine Rache zu bekommen hat der gerissene Iago einen schrecklichen Plan, mit dem er nicht nur das Glück von Othello und Desdemona zerstören könnte, sondern auch Cassio aus dem Weg räumen möchte.

Meine Meinung: 
Wie es nun einmal üblich ist in Stücken, werden auch hier zuerst die vielen Charaktere, ihre Verbindungen zueinander und das Setting erklärt.
Das Stück gehört zur Gattung Tragödie, wurde 1603 verfasst und wurde 1604 in Whitehall uraufgeführt.
Die fünf Akte kann man in drei Teile aufteilen: das Vorspiel (Akt 1); der Hauptteil (Akte 2 bis 4); das Nachspiel (Akt 5).

Die Haupthandlung ist an eine Novelle angelehnt, die der Italiener Giraldo Cinthio 1565 verfasst hat.
Anders als Giraldo Cinthio, aus dessen Novelle die Moral hervorgeht, dass Frauen an ihrem Unglück selber Schuld sind, wenn sie sich ausländern/ Männern hingeben, die einer anderen "Rasse" zugehören, liegt bei Shakespeare der Schwerpunkt an einer anderen Stelle.
Bei ihm geht es um Vorurteile gegenüber anderen, die einer anderen Kultur angehören und die aus einem anderen Land stammen. Es geht darum, dass auch ein edler, kluger und herzensguter Mensch wie Othello durch Intrigen und Verleumdungen zu einem irrationalen Menschen gemacht werden kann. Shakespeare zeigt wie schnell sich die Persönlcihkeit durch einschneidende Erlebnisse ändern kann.

Diese Charakterwandlung von Othello ist dermaßen gut dargestellt, dass man sie von Szene zu Szene beobachten kann, bis Othello irgendwann nur noch eine verzerrtes Spiegelbild seiner selbst ist. Er zerstört das was er am meisten liebt, seine Ehefrau Desdemona. Als ihm das was er getan hat klar wird und er aufgeklärt wird, dass Desdemona ihn nicht betrogen hat und dass sie ihm die Wahrheit gesagt hat, fällt er vollends auseinander.
So bezeichnet er sich selber: "That's he that was Othello - here I am." 
                                                 Hier steht, der einst Othello war; hier bin ich. (5.2.287) 
An dieser Stelle hatte ich Gänsehaut, der emotionalste Moment im ganzen Stück meiner Meinung nach.

Ich glaube, dass selten ein Schurke so gerissen und redegewandt ist, wie Iago. Er weiß immer was er zu sagen hat, um sein Gegenüber zu überzeugen und zu manipulieren. Während des Stückes konnte ich nicht anders, als ihn für seine Inteligenz zu bewundern. Er ist der Puppetmaster und alle anderen Figuren sind seine Marionetten, die nach seiner Pfeife tanzen...

Desdemona ist ein sehr kindlicher Charakter, der lieber ihren Gatten anfleht ihr nichts anzutun, als sich aktiv zu wehren. Sie ist so von sich selbst überzeugt, dass ihre Liebe zu Othello ihm die Augen öffnen kann, dass sie sich beinahe schon ihrem Schicksal einfach nur hingibt.
In einem normalen Buch würde mich die Passivität des Charakters an den Rand des Wahnsinns treiben, aber hier verstehe ich, weshalb Shakespeare sie so handeln lässt. Damit der Zuschauer / Leser eine Lehre daraus zieht und natürlich auch um Othellos Zerstörung zu vollziehen. 

In der Kürze liegt die Würze: 
In diesem Stück geht es um Liebe, Eifersucht, Neid und die menschlichen Abgründe.
Ein belehrendes Stück, ohne belehrend wollen zu sein. Sehr viele Phrasen, die wir im alltäglichen Leben benutzten, wurden bereits vor vierhundert Jahren von Shakespeare genutzt. Jeder, der die Sprache und ihre Entwircklung liebt, wird aus diesem Stück sehr viel für sich selbst herausziehen können.


Bewertung: 
Leider sind Probleme wie Rassismuss, Neid, Eifersucht, Ehrenmord oder der "Mord aus Liebe", sehr aktuell und werden es wohl auch immer sein. Es ist also kein Wunder, dass dieses Stück an seiner Beliebtheit nichts verloren hat. Einen Klassiker und Meister wie Shakespeare einer war, kann man nicht bewerten. Wenn ihr dieses Stück lesen wollt, was ich jedem nahelege, könnt ihr es hier auf deutsch lesen. Es ist eine viel bessere Übersetzung, als die die ich hatte. Jedem der sicher ind er englischen Sprache ist, würde ich das Orginal empfehlen. Einige Zitaten sind hohe literarische Kunst, die man nur im Orginalen genießen kann.

Übrigens finde ich die Verfilmung sehr gelungen, man kann sie sich auf YouTube kostenlos ansehen. Am besten auf englisch ;)

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