Titel: Der Märchenerzähler
Autorin: Antonia Michaelis
Genre: Contemporary, Mystery, Thriller
Verlag: Oetinger
ISBN: 978-3-7891-4289-5
Format: Gebunden, 448 Seiten
Einzelband
[der Verlag empfiehlt das Buch ab 14 Jahren, meiner Meinung nach, sollten es ab 16 Jahren empfohlen werden, da es kein Jugendbuch ist. Das sagt die Autorin übrigens auch immer wieder.]
Für weitere Infos hierher klicken ❣
Klappentext: Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer.
Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es
gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für
seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief
berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.
Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame
Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?
Erste Zeilen: Blut. Überall ist Blut.
Eye-Candy: Ich mag das Cover, ganz besonders mag ich es ohne Schutzumschlag. Die Trostlosigkeit, mit einem Funken Hoffung, ist wirklich gut eingefangen. Da Bilder mehr als tausend Worte sagen, hier ein Bild:
Meine Meinung: Eine sehr lange Zeit hatte ich kein Interesse an diesem Buch. Das liegt hauptsächlich daran, dass in einigen Rezensionen stand, dass Gewalt gegenüber Frauen verharmlost werden würde. Und da ich selten Lust auf so eine Thematik habe und der Inhalt mich auch nicht wirklich gereizt hat, habe ich die Finger davon gelassen. Bis vor zwei Tagen, als ich ratlos vor meinem Regal stand und ein Buch ohne Fantasy lesen wollte, das ein Einzelband war und schon lange auf dem SuB schmorren musste.
Sehr schnell hat mich die Erzählweise der Autorin gefangen genommen. Plötzlich konnte ich gar nicht mehr aufhören zu lesen, weil die Handlung, die frei von herkömlichem Fantasy ist, dennoch phantastisch ist und man in eine Welt voller dunkler Märchen eintaucht.
Das Tollste an dem Buch ist die Schreibweise. Selten ist mir ein derart flüssiger, poetischer und ungewöhnlicher Stil untergekommen. Dabei hört sich keine einzige Formulierung gestolzen an, es wirkt alles sehr authentisch. Man verliert sich in den Worten der Autorin, wie sich die Protagonisten in den Worten von Abel verliert.
Die Protagonistin Anna ist auf dem ersten Blick das Mädchen aus gutem Haus, das unglücklich ist, weil ihr Leben zu perfekt ist. Sie fühlt sich von Abels verschlossener, gefährlicher Welt angezogen. Obwohl Anna so ziemlich einen perfekten Charakter hat und sehr naiv und verträumt ist, mochte ich sie. Sie weiß es einfach nicht besser und lernt im Verlauf der Geschichte dazu. Ihre inneren Konflikte waren sehr interessant zu beobachten.
Zu Abel möchte ich sagen, dass er einer der labilsten Charaktere ist, mit denen ich es jemals zu tun hatte. Weshalb er so ist, wie er ist, hat seine Gründe. Dennoch möchte ich sein Verhalten nicht verharmlosen oder entschuldigen. Nur weil man viel durchgemacht hat, bedeutet das nicht, dass man eine Freikarte vom Leben erhält, die man beliebig ausspielen kann, wenn man sich sehr schlecht verhält. Trotzdem hatte ich Mitleid mit ihm …
Andere Charaktere sind zwar auch vorhanden, die mehr oder weniger größere Rollen haben, aber auf die will ich nicht eingehen. Dennoch haben sie mir alle sehr gut gefallen, da man als Leser nie wusste, auf wen man sich eigentlich verlassen kann.
Bewertung: Manchmal mögen
wir es, wenn Charaktere in ihr Verderben steuern, das ist bei diesem
Buch der Fall. Wie das Verderben jeweils aussieht, ist bei allen anders.
Wenn ihr mit schwierigen Thematiken nicht klar kommt und nicht dazu
bereit seid, zwischen den Zeilen zu lesen, würde ich euch von diesem
Buch abraten.
Wenn ihr bereit seid, von euren Gefühlen und Ansichten überrumpelt zu werden und auch einige Dinge in Frage zu stellen, solltet ihr zu diesem Buch greifen.
Für mich ist es ein Buch, an das ich immer wieder zurückdenken werde. Es ist ein Jahreshighlight und somit ♥♥♥♥♥ Herzchen.
Autorin: Antonia Michaelis, Jahrgang 1979, in Norddeutschland geboren, in
Süddeutschland aufgewachsen, zog es nach dem Abitur in die weite Welt.
Sie arbeitete u.a. in Südindien, Nepal und Peru. In Greifswald studierte
sie Medizin und begann parallel dazu, Geschichten für Kinder und
Jugendliche schreiben. Seit einigen Jahren lebt sie nun als freie
Schriftstellerin in der Nähe der Insel Usedom und hat zahlreiche Kinder
und Jugendbücher veröffentlicht, facettenreich, fantasievoll und mit
großem Erfolg. »Der Märchenerzähler«, ihr erstes Buch für junge
Erwachsene, wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. (
Quelle)
 |
| © Oetinger / Joerg Schwalfenberg |