Freitag, 19. September 2014

[Buchrezension] Leander sieht Maud von Nadia Marfaing

 Leander sieht Maud
Klappentext:
Seit dem Unfall, der Maud das Augenlicht gekostet hat, schottet sie sich völlig von der Außenwelt ab und verkriecht sich in ihrer neuen Dunkelheit. Nur Leander, den Maud bisher kaum beachtet hat, lässt sich nicht abwimmeln und lockt sie nach und nach aus ihrer Isolation: Ausflüge mit dem Tandem, Tischtennis nach Gehör, Kino ohne Bilder. Doch Maud ist nicht so einfach zu bezaubern, wie er vielleicht gehofft hat, und stößt ihn immer wieder von sich fort.

Die ersehnten Küsse muss sich Leander stehlen. Als Maud eines Tages verkündet, sie wolle ihn zwei Monate lang nicht sehen, hält Leander das nur für eine neue Prüfung für den Helden in der strahlenden Rüstung …

Erster Satz:
Ein Abend im April 1976. Es ist Frühling. In der Luft liegt der Duft nach lebhaften jungen Mädchen, wie man sie aus der Werbung kennt, abenteuerlustig und immer gut gelaunt.

Eye-Candy: 
Das deutsche Cover finde ich sehr gelungen. Es ist unaufdringlich und passt zur Handlung mit seinen Farben und seinem Motiv (achtet mal auf die Augen der Charaktere). Was die Farben bedeuten, das erfährt man in der Geschichte.
Die Kapitelüberschriften sind übrigens auch in Brailleschrift geschrieben.

Inhalt: 
Nachdem Maud, das wildeste und hübscheste Mädchen der Schule, aufgrund eines selbst verschuldeten Unfalls ihr Augenlicht verliert, zieht sie sich immer mehr in sich zurück. Während für ihre alten Freunde das Leben weitergeht, kann einer Maud nicht vergessen. Leander ist ein Klassenkamerad von ihr und wird von allen nur Knirps oder Baby genannt. Mit seiner direkten ehrlichen Art zerrt er Maud ins Leben zurück, ihr Protest wird dabei geflissentlich ignoriert. 

Meine Meinung:
Das Buch wird aus der persönlichen Sicht und im Präsens von Leander erzählt, dennoch ist man als Leser sehr nah an seinen Gefühlen und Gedanken. Anders als anfangs gedacht mochte ich Leander nicht. Er nervt, ist manchmal viel zu selbstüberzeugt und kindisch. Ohne Rücksicht auf Maud und ohne eine Einsicht schubst er sie von einer Situation in die andere, wenn sie sich dabei an ihn als Halt klammert, ist er glücklich. Allerdings ist Maud weder auf den Mund gefallen, noch von ihrer Situation gehandicapt, wie man meinen sollte. In jeder Situation ist sie fähig sich selber zu helfen und eigenständig zu sein, sehr zu Leanders Bedauern, der ihr Ritter in strahlender Rüstung sein möchte. 

Obwohl Maud sehr kratzbürstig ist und gemein ist, kann man nicht anders, als sie zu mögen. Denn gleichzeitig ist sie auch ehrlich, tolerant und eigensinnig. Sie lässt sich weder von ihrer Mutter noch von Leander oder ihren Narben und ihrem Handicap aufhalten. Ihre Handlungen und Psyche schwanken immer zwischen zwei Extremen, das allerdings ist sehr gut und nachvollziehbar umgesetzt.

Es gibt noch einige kleine Nebencharaktere, die nur am Rande auftauchen und schnell wieder abtauchen. Wie der Titel schon vermuten lässt, es geht hauptsächlich um Leander und Maud, hier liegt der Fokus von Anfang bis zum Schluss. Sehr geschickt werden Nebenhandlungen in das Hauptgeschehen eingebunden, aber ohne, dass sie jemals in den Vordergrund rücken. 

Sowohl Leander als auch Maud entwickeln sich durch das gesamte Buch hindurch. Diese Entwicklung findet langsam statt, ab und zu gibt es auch Rückfälle der beiden, aber gegen Ende hin, sind beide reifer und erwachsener. Gerade bei Leander ist diese Entwicklung sehr gut zu beobachten. 

Wenn Leander seine Gefühle Maud gegenüber beschreibt oder wenn er an sie denkt, ist er sehr süß. Man merkt, dass er sie wirklich gern hat und nicht nur auf ihr gutes Aussehen Wert legt. Dann allerdings hat er seine "Phasen". In diesen Phasen denkt er nur noch daran mit ihr zu schlafen und wie toll er es findet, wenn sie abhängig von ihm ist. Sie leidet gerade wegen was auch immer und er stellt sich vor, wie es wäre, wenn sie ihn endlich an sich ranließe, das konnte ich einfach nicht nachvollziehen. Auch in besonders emotionalen Dialogszenen bringt Leander irgendwelche sexuelle Anspielungen, die die ganze romantische Atmosphäre zerstören.
Obwohl ich denke, dass die Autorin das absichtlich so dargestellt hat, damit Leander unbeholfen und kindisch wirkt hat es mich doch arg gestört, bis er sich endlich gebessert hat.

Die Schreibweise der Autorin ist sehr schlicht und flüssig. Dennoch schafft sie es mit wenigen Seiten eine gefühlvolle Geschichte zu erzählen, ohne dabei kitschig und klischeelastig zu werden.
Besonders gelungen sind die Dialoge zwischen Maud und Leander, die sich nicht gestelzt anhören und die immer sehr humorvoll sind.

In der Kürze liegt die Würze: 
Ein ungewöhnlich patziger Protagonist; so gut wie keine Nebencharaktere; lustige Dialoge; schneller Lesespaß

Bewertung:  
Was etwas zu kurz gekommen ist, ist der Umgang mit dem Handicap des Blindseins. Klar wird immer wieder betont, dass Maud blind ist und dass sie damit nicht so schnell und gut zurechtkommt, jedoch war mir das zu oberflächlich. Da das Buch schon so kurz ist, hätte man etwas weniger Fokus auf Leanders Fantasien legen können, um stattdessen auf Maud einzugehen, um das Buch rundzumachen. Dennoch hat mir das Buch sehr gut gefallen und bekommt daher ♥♥♥♥ Herzchen.


Autorin:
Nadia Marfaing est professeur d’histoire-géographie. Liber et Maud (L’École des Loisirs, 19 janvier 2012) est son premier roman. Elle vit à La Mothe-Saint-Héray. (Quelle)


© Didier Darrigrand



Vielen Dank an den http://www.knesebeck-verlag.de/corporate-books/index.html Verlag für die großzügige Bereitstellung des Rezensionsexemplares!




Titel: Leander sieht Maud
Originaltitel: Liber et Maud
Autorin: Nadia Marfaing
Genre: Jugendliteratur, Contemporary
Verlag: Knesebeck
ISBN: 978-3-86873-752-3
Flexibler Einband: 208 Seiten

Für weitere Infos hierher klicken ❣

7 Liebe Worte:

  1. Vielen Dank für den Tipp, von dem Buch habe ich noch nie gehört. Das deutsche Cover ist wirklich schön und es klingt nach einer gefühlvollen und nicht alltäglichen Geschichte.

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  2. Irgendwie hatte ich schon bei dem Klapptext die Befürchtung, Leander könnte nervig und aufdringlich sein und leider hast du das dann ja auch in deiner wie immer sehr schönen Rezension bestätigt. Trotz der anderen, positiven Aspekte ist das Buch vermutlich nichts für mich. ^^

    Ich wünsche dir ein wundervolles, entspanntes, buch- und teereiches Wochenende!! ♥♥♥

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  3. Hallo meine Liebe,
    hm... das Cover. Ich weiß ja nicht. :D
    Deine Rezension klingt unglaublich gelungen. So gelungen, dass dieses Buch nun auf meine Merkliste wandert. Mal ganz ehrlich, ich will diese Protagonistin kennen lernen. Ich glaube ich könnte sie mögen. :D
    Aber noch muss das Buch warten. :)
    Ich wünsch dir einen schönen Samstag. ♥

    Ganz liebe Grüße ♥♥♥

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  4. Hey Carly #2! :-D

    Und wieder ein Buch das ich noch nicht kenne, das aber dank deiner Rezension gleich mal auf meine WuLI gewandert ist *WuLi-Stapel mit Balken abstützt* :-D
    Obwohl ich ja zugeben muss, dass mir Leanders Verhalten in seinen "Phasen" irgendwie seltsam rüberkommt, denke ich doch, dass ich das Buch mögen könnte. Da kommt ganz eindeutig meine HerzschmerzHappyEndingLoveStory-Seite durch. :-D
    Btw... auch den Verlag kannte ich noch nicht! Bei Carly lern man immer was Neues kennen. :-D

    LG
    Tilly

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  5. Hallo,

    ich habe dich gerade getagt, vllt. hast du ja Lust mitzumachen :)

    http://buecherstuff.blogspot.de/2014/09/tag-liebster-award-discover-new-blogs.html

    LG Dinchen

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  6. Hallo Liebes =)
    Also nee das Cover ist nicht meins ... und das Buch wohl auch nicht ^^
    Ich mag solche Bücher irgendwie nicht ...
    Trotzdem eine wunderbare Rezension <3
    LG Sunny

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    1. Das habe ich mir schon gedacht :)
      Aber es gibt ja noch genug andere tolle Bücher, die du dafür lesen kannst :)

      Liebste Grüße ♥

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