Sonntag, 2. Februar 2014

[Buchrezension] Die Auslese von Joelle Charbonneau

 

Klappentext: 
Nach den verheerenden Fehlern der Vergangenheit war sich die Gesellschaft einig, dass nur noch die Besten politische Macht ausüben dürfen. Von nun an sollten die Psychologen darüber urteilen, in wessen Händen die Zukunft des Landes liegen sollte. So entstand die Auslese. Cia ist sechzehn und damit eine der Jüngsten, die zu den Prüfungen antreten, die darüber entscheiden, ob man für ein Amt geeignet ist. Zunächst ist sie von Stolz erfüllt – bis die erste Kandidatin stirbt! Jetzt breitet sich Angst aus, und Cia erkennt: Nur die Besten überleben …

Erster Satz:
Heute ist also der Tag der Abschlussfeier.

Eye-Candy: 
Das Cover ist passend für eine YA-Dystopie. Ein Mädchen, schaut gehetzt, ist leicht verletzt, hält eine Waffe in der Hand und auf der Rückseite des Buches sieht man die Silhouette einer Stadt, die wie eine Ruine aussschaut. Die Waffe finde ich besonders interessant, da man nicht oft Waffen auf Jugendbüchern zu sehen bekommt.
In dem Buch werden die Jugendlichen in Gruppen eingeteilt und haben bestimmte Armbänder mit bestimmten Zeichen, dieses Zeichen sieht man auch am Arm des Mädchens. Die amerikanische Lösung finde ich besser als die deutsche. Hier wird mehr Fokus auf dieses Zeichen gelegt und das Cover wirkt ganz anders, als ein hübsches Mädchen, mit manükierten Fingernägeln (ja so was fällt mir auf). Das Mädchen soll Cia darstellen, die zu dem Zeitpunkt kurze Haare hat, also warum konnten die kein Covermodel mit kurzen Haaren nehmen? Argh. 

Inhalt: 
Es ist eine typische Dystopie und so wie es sich bei Dystopien gehört, gibt's die Welt, wie wir sie kannten, nicht mehr. Es gibt verschiedene "Kolonien" in Amerika und alle bemühen sich die zerstörte Umwelt wieder aufzubauen. Die Erde ist verseucht, das Wasser ist verseucht, es gibt mutierte Wesen und nicht genügend Energie, Papier und etc.
In dieser Welt ist die Wissenschaft sehr wichtig, schließlich will man alles wieder aufbauen. Um die Anführer der Zukunft zu finden, wird jährlich eine "Auslese" durchgeführt. Aus jedem Abschlussjahr werden die besten Schüler und Schülerinnen von den den Lehrern dafür vorgeschlagen. Die Jugendlichen bekommen dann die Chance eine Universität zu besuchen und zur Elite des Landes zu gehören. Um das zu erreichen, müssen sie die "Auslese" bestehen.
Die Auslese besteht aus vier Stadien und einem Gespräch am Ende. Jeder der unter dem Druck zusammenklappt, wird zurückgelassen. Hilfe wird den Kandidaten also nicht gewährt und auch untereinander ist Hilfe nicht gestattet.
Cia, deren Vater einst die Uni besuchen durfte, freut sich als sie die Chance erhält und zur Auslese "eingeladen" wird (wer sich weigert daran teilzunehmen, bekommt die Todesstrafe). Jedoch verrät ihr Vater, dass die Auslese sehr gefährlich ist und es immer zu Todesfällen kommt. Er warnt sie, dass sie niemandem vertrauen soll. Cia wird im Auslese-"Camp" klar, dass ihr Vater recht hatte und viele Kandidaten auch nicht vor unfairen Mitteln zurückschrecken, um sich einen Vorteil zu schaffen. Als die Todesfälle sich häufen, ist sich Cia gar nicht mehr sicher, wer Freund und wer Feind ist...

Vorbemerkung:
Das Buch wird viel mit den Hunger Games verglichen und die Meinungen, ob es nun besser oder schlechter ist, gehen weit auseinander. Ich denke, dass jede Idee eine faire Chance bekommen sollte und ähnlich nicht immer gleich schlecht bedeutet. Einige Ähnlichkeiten kann man einfach nicht vermeiden. Jedoch gibt es in diesem Buch wirklich sehr viele Ähnlichkeiten, die man vermeiden hätte können. Ein Beispiel: Die mutierten Mensch-Tier-Viecher, die am Ende des ersten Bandes Katniss und Peeta jagen... Da hätte man auch gut was anderes nehmen können, aber ok.
Das Buch erinnert auch sehr an die Uglies-Reihe von Scott Westernfeld, die ganzen Naturschutz-ist wichtig-Phrasen und die Ruinenstadt haben mich sehr daran erinnert.
 
Eigene Meinung:
Cia ist unsere Protagonistin. Sie ist technisch sehr begabt, allgemein ist sie ziemlich schlau, hat tolle Einfälle, sie ist hilfsbereit und sehr naiv. Das bleibt sie durch das ganze Buch hinweg. Ihr Vater warnt sie, dass sie niemandem vertrauen soll und was macht sie? Gleich am selben Abend erzählt sie Tomas, was ihr Vater ihr erzählt hat. Dumm, einfach nur dumm und naiv. Nur einmal handelt sie klug und beherzigt den Rat ihres Vaters und das ist einfach so gewollt von der Autorin, das es unglaubwürdig gewirkt hat.

Tomas, in den Cia verschossen ist und der ihre Gefühle erwiedert, ist nur langweilig. Nichts anderes. Er ist freundlich und vertraut niemandem außer Cia, ist angeblich super klug (wo sind die Belege hierfür?) und das war's. Gegen Ende des Buches finde ich ihn einen Tick interessanter, weil er anscheinend etwas schlimmes angestellt hat.

Die Liebesgeschichte der beiden ist so lächerlich und so mit Parallelen zur Katniss und Peeta voll, dass es einfach nur genervt hat. Im Gegensatz zu Katniss und Peeta, habe ich hier leider kein Prickeln gespürt.

Die Steine, die Cia vor die Füße gelegt werden, sind ebenfalls sehr vorhersehbar. Das System in dem sie leben ist böse (wer hätte es gedacht) und die Kandidaten sind alle (Außnahme Cia) niederträchtig. Dazu kommen noch die üblichen Überlebensprobleme des Camps und fertig. Jedesmal lösen die Probleme sich wie von selbst und jedesmal hat Cia Glück oder kann von ihrem Wissensschatz proffitieren, da ihr Vater Gentechniker ist.

Das Buch wird aus der Sicht von Cia im Präsens erzählt, was gut ist, weil so eher Spannung aufkommt und das Buch viele Szenen hat, in denen es von dieser Spannung lebt. Dabei benutzt die Autorin einfache klare Sätze, was ebenfalls das Lesetempo und die Spannung steigert. Wer literarische Kunstwerke hier erwartet, ist falsch. Aber das ist auch gut so, in so ein Buch würde das nicht reinpassen. Was mich gestört hat, sind die vielen Beschreibungen, die sich über mehrere Seiten hinwegziehen. Die Landschaft wird lang und breit diskutiert. Die Zweifel von Cia werden lang und breit diskutiert und so weiter und so fort. Das hätte man auch kürzer fassen können. So flennt sie schon fast, wenn sie über das Schicksal ihrer Freundin zu Hause nachdenkt. Muss man über eine für uns unwichtige person zwei Seiten reden? Nein, muss man nicht. Dann erzählt Cia immer und immer wieder, wie klug und toll und hübsch dieser Tomas ist. Muss man das immer wieder? Warum zeigt die Autorin nicht, wie dieser Tomas was kluges tolles mal schafft? Schließlich ist Cia diejenige, die immer wieder tolle Einfälle hat (wobei sie sich immer wieder niedermacht).

In der Kürze liegt die Würze: 
Nach dem zähen Anfang, wenn endlich mit den verschiedenen Auslesephasen begonnen wird, steigt die Spannung. Jedoch flacht diese immer wieder ab, als Leser wird man sehr oft mit Infos beschossen, die zu viel sind, um sie alle aufeinmal zu bearbeiten. Die Charaktere sind sehr schwarz-weiß gehalten und die Konflikte vorhersehbar. Dennoch steigt die Spannung gegen Ende erneut an und bleibt bis zur letzten Seite und endet mit einem Cliffhanger.

Bewertung:  
Während des Lesens war ich dazu geneigt nur zwei Herzchen zu vergeben, aber als die Spannung erneut so angestiegen ist und das Buch mit einem richtig fiesen Cliffhanger geendet hat, wollte ich mehr, daher sind's eben doch ♥ ♥ ♥ Herzchen. Das Buch hat durchaus Potential um selbstständig als Dystopie angesehen zu werden, ohne mit anderen bekannten verglichen zu werden. Ich hoffe, dass die Autorin das im nächsten Band besser durchsetzten kann.

Titel: Die Auslese
Originaltitel: The Testing
Autoren: Joelle Charbonneau 
Genre und Themen: Jugend-Dystopie, Freunde, Familie, Kampf ums Überleben
Verlag: Penhaligon 
Gebunden mit Schutzumschlag: 416 Seiten
ISBN: 978-3764531171
Der erste Band einer Serie

4 Liebe Worte:

  1. Ich hatte vor einiger Zeit auch überlegt, ob diese Dystopie etwas für mich wäre und mich dann dagegen und für "Partials" entschieden. Ausschlaggebend war für mich auch, dass natürlich grundsätzlich ein anderes System regiert, aber die Idee der Partials fand ich neu und war auch überrascht, dass mir das Buch doch so zugesagt hat. Ob ich mich dann noch an "Die Auslese" wage, bezweifle ich momentan ;)

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    1. Leider konnte "Partials" mich nicht wirklich einnehmen, wenn ich da auch nur die Leseprobe davon gelesen habe. Aber die Idee finde ich gut und vielleicht probiere ich es irgendwann mal wieder :)

      Liebe Grüße,
      Carly

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  2. Schade! Hatte mit mehr gerechnet, min 4 Herzchen. :)
    Ich habe gar nicht erst angefangen an "Panem" zu denken und ich muss sagen so wirklich viele Parallelen hatte ich nicht gesehen. Aber ich habe von "Panem" auch erst den ersten Teil gelesen. :D

    Liebe Grüße
    Katja

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    1. Ich dachte auch, dass es mir total gut gefallen würde, weil ich solche Geschichten immer sehr gern mag. Aber dieses Panem/Uglies-Gefühl konnte ich fast nicht abschütteln :-/ Dennoch werde ich das nächste Buch ebenfalls lesen, da der Cliffhanger so fies ist :D

      Liebe Grüße,
      Carly

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